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Blitze

Aus einem alten Kompaktblitz wird ein kleiner Blitzkopf

Blub - Blitz als Slave ausgelöst mit weit geschlossener Blende und Graufiltern aufgenommen.
Blub - Blitz als Slave ausgelöst mit weit geschlossener Blende und Graufiltern aufgenommen.
Manchmal ist eine kleine Studioblitzanlage ganz praktisch, aber oft lohnt sich die Anschaffung nicht. Wie ich einen Blitz umgebaut habe, folgt hier.


Wichtiger Hinweis
Die Arbeit an Blitzgeräten ist nicht ungefährlich, denn es liegen hohe Spannungen an. Der Blitzkondensator muss über einen Widerstand entladen werden, damit man weder sich selbst, noch Teile der Elektronik gefährdet.
Niemals den Kondensator durch einfaches Kurzschließen entladen. Bei besseren Blitzgeräten, die noch Restspannungen auf den Kondensatoren haben, führt das unter Umständen zur Zerstörung des Kondensators und Teilen der Schaltung.

Auch wenn der Umbau bei mir problemlos klappte, es gibt keine Garantie. Ich kann nur empfehlen sich in dieser Beziehung nicht zu überschätzen und lehne jede Verantwortung für Schäden an Technik und Gesundheit ab!

Die Bastelei ist nicht sonderlich kompliziert, aber durch die mögliche hohe Spannung sollte man sehr konzentriert ans Werk gehen. Da die Wahl des Blitzgerätes sehr unterschiedlich ausfallen kann und ich einen gewissen Wissensstand für diese Arbeiten voraussetze, beschreibe ich nicht jeden einzelnen Schritt. Es sollte auch beachtet werden, dass es sich hier um einen Prototype handelt, mit dem ich zunächst Erfahrungen sammeln will.


Als Ausgangsmaterial diente mir ein Toshiba A-25L, der bei einer Kamera mit dabei war und recht leicht zu öffnen und zu zerlegen ging. Es lassen sich aber sicher auch viele andere Blitze verwenden, wobei die Leitzahl des Ausgangsblitz nicht zu niedrig sein sollte, da diese ohne Reflektor und in einer eventuellen Softbox noch niedriger wird. Schnelle Betriebsbereitschaft und erträgliche Blitzfolgezeiten sind wünschenswert.

Der von mir verwendete Blitz war einfach vorhanden und überzählig. Ich würde ihn für diesen Einsatzzweck durch seine Leistungsparameter nicht empfehlen. Da er mir aber bei der recht niedrigen Leitzahl zu groß zum Mitschleppen in der normalen Fototasche ist, habe ich ihn für den Prototyp gewählt. Für Produktfotos kleinerer Objekte ist er mir im Moment aber noch ausreichend.

Noch ein Hinweis zu diesem Blitz. Er gehört zu den Blitzen, bei denen an den Kontakten zum Anschluss an die Kamera recht hohe Spannungen liegen können. Eine Verwendung direkt an neueren Kameras, die für kleiner Spannungen an der Blitzbuchse ausgelegt sind, ist nicht möglich!

Wie schon geschrieben - der Kondensator muss während der Demontage (ohne Berührung durch eine Person!) über einen Widerstand entladen werden, sonst wird es gefährlich!

Bastelanleitung

Ziel dieser Arbeit es einen Blitz ohne eigenen Reflektor zu schaffen, der in Zusammenarbeit mit Softboxen oder Schirmen eine möglichst diffuses Licht ergibt.
Blitzt man mit einem Kompaktblitz durch einen Schirm ist der Winkel in dem das Licht abgestrahlt wird noch relativ klein, so dass nicht die gesamte Schirmfläche als Leuchtfläche genutzt wird. Für eine sehr weiche und schattenfreie Ausleuchtung ist das aber oft gewünscht, da das Licht weicher wird, wenn die abstrahlende Fläche sich vergrößert.

Offen und teilweise demontiert. Ziel ist es die Blitzröhre freizulegen und danach wieder außerhalb des alten Reflektors und des Blitzes neu zu kapseln.

Rechts die drei Anschlüsse für die Blitzröhre (hier weiß, rot und schwarz) . Hier müssen neue Kabel eingelötet werden, denn bis auf den weißen Draht sind die Drähte etwas kurz für die neue Position der Blitzröhre.
Es sollte drauf geachtet werden, das die Isolierungen der Drähte ausreichend spannungssicher sind. Ich habe Drähte von einem alten PC-Netzteil genommen, da diese nach einem Aufdruck über 300V Spannungsfestigkeit verfügen. Die im Blitz auftretenden Spannungen sind vermutlich etwas höher, so dass selbst diese Drähte nur bedingt geeignet sind.

Wie am folgenden Bild sichtbar, ist die Befestigung des weißen Drahts an der Blitzröhre etwas heikel. Im Zweifel sollte man den weißen Draht nicht ersetzen, sondern nur verlängern und danach die Verbindungsstelle gut isolieren.

Die drei Anschlüsse an der Blitzröhre. Der linke Abstandshalter ist für dieses Foto etwas verschoben, normalerweise sitzt er auf dem Kontakt des weißen Drahts.

Die Blitzröhre wird in ein kleines Reagenzglas eingesetzt, das in einem Loch in der ursprünglichen Kunststoffscheibe steckt. Eine abgeschnittene Filmdose befestigt man mit, sie dient als Befestigung für die zweite, transparente Filmdose. Danach wird alles mit Heißkleber fixiert und soweit sinnvoll vergossen.







Blitz fertig mit gekapselter Röhre. Es ist erstaunlich, wie gut das Stück AGFA-Dose und die Fuji-Dose ineinander passen. Zur Sicherheit kann man die beiden auch verkleben.

Ob die Kapselung wirklich notwendig ist, möchte ich nicht entscheiden. Der Kunststoff schützt das Glas und damit auch den Benutzer vor eventuellen Glassplittern und Spannung, falls etwas schief geht.

Ein Rohrverschluss bzw. Rohrabschluss für 75mm Kunststoffrohr dient mir als Anschluss für mögliche Lichtformer . Ich denke dieser Anschluss ist noch nicht die entgültige Lösung, da sich andere Stücke nur recht straff aufzuziehen lassen. Eine Art Bajonett ist sicher besser geeignet. Dass die Messzelle für den Computerblitz damit nicht mehr wirkt, ist so gewollt, denn eine Messung wäre stark vom jeweiligen Einsatzzweck abhängig und die Messzelle müsste aus dem Lichtformer weiter geleitet werden.
Der Bereich innerhalb des Anschluss könnte noch mit reflektierendem Material ausgekleidet werden, um die Lichtausbeute zu erhöhen.


Ein Lichtformer aus einem einfachen Kunststoffrohr

Die Verwendung des Blitzkopf mit einem röhrenförmigen Lichtformer ist nicht unbedingt Sinn des Umbaus, aber durchaus auch möglich. Für diesen Zweck wäre ein normaler Kompaktblitz in der Röhre durch die Anordnung der Röhre und des internen Reflektors weit besser geeignet und deutlich lichtstärker.

Hier ist auf den Anschluss ein 25cm langes Rohstück als Lichtformer gesteckt.
Obwohl ich sonst mit dem Hama-Blitzwürfel als Slaveauslöser im Zusammenspiel mit der HP618 von einem Misserfolg zum nächsten gestolpert bin, lässt er sich zu Ansteuerung in diesem Fall recht gut verwenden. Ich nehme an, es liegt an der integralen Lichtmessung, denn in diesem speziellen Fall ist die beleuchtete Fläche relativ klein zur gesamten Bildfläche.







Und mal noch ein Beispielfoto mit diesem Rohr als Lichtformer. Allerdings müsste das innen noch gestrichen werden, um die internen Reflektionen besser zu steuern.







Ergänzung - Niederspannungsauslösung

Da sich der Blitz nicht mit meiner Funkauslösung und möglichen zukünftigen Basteleien verträgt, bekam er eine Niederspannungszündung verpasst, wie sie auf  http://www.heise.de/ct/ftp/projekte/blitzhilfe/ beschrieben ist.

Während bei  diesem Blitz die Schaltung keine Probleme bereitet, musste bei einem anderen, nur mit 2 Akkus betriebenen kleinen Hanimex 140 der 22kOhm-Widerstand durch einen kleineren ersetzt werden (ich nahm dort 12 kOhm).

Da jetzt am Anschluss auch nur noch wenig Spannung anliegt, ist es ohne ein kribbelndes Gefühl an den Fingern (und im Bauch) möglich, auch Klinkenkabel zu verwenden. Die Schaltung läßt sich sicher auch noch beim Platzbedarf  optimieren. Mir reichte es allerdings aus, sie als Buckel auf den Blitz aufzukleben und einzugiesen, so dass ein Hautkontakt zuverlässig verhindert wird.

Falls jemand auf den Gedanken kommt, das Bild als Layoutvorlage zu verwenden, es ist eine simple Streifenrasterplatine, dann bitte beachten, dass hier noch eine Drahtbrücke zwischen dem weißen Draht und der Klinkenbuchse auf der Nachbarbahn fehlt. Einfacher ist es den 22kOhm-Widerstand und den weißen Draht gleich eine Bahn weiter nach links zu setzen. Auf der Rückseite sind die Bahnen zwischen den  MOC-Kontakten unterbrochen.

Eine Entscheidung zwingt einem diese Schaltung aber auf. Entweder man setzt die Versorgungspannung hinter den Schalter des Blitzes - dann hat man den Vorteil, dass die Schaltung im abgeschalteten Zustand stromlos ist - allerdings kann man dann den Blitz nicht leerblitzen.

Ein - sagen wir - Feature hat die Schaltung noch und das kann beim Testen durchaus irritieren, da (vermutlich) während des Ladens der Blitzes die Spannung der Akkus in den Keller geht, ist die Auslöseschlaltung erst aktiv, wenn der Blitz "satt" ist.



geschrieben / geändert am : 14.08.2006