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Zubehör & Experimente

Digitalkamera HP 618 und Vorsatzteleskop als extremes Teleobjektiv



Der Brennweitenbereich von kompakten Digitalkameras ist oft, wie bei ihren analogen Schwestern recht beschränkt. Die inzwischen gestiegene Verfügbarkeit von digitalen Spiegelreflexkameras auch im Consumerbereich macht für den einen oder anderen die Überlegungen hier inzwischen unnötig. Allerdings stellt das für kleinere Geldbeutel immer noch eine Möglichkeit dar verschiedene Aufgaben auch mit Digitalkompakten zu lösen.


Ein paar Worte zur Einleitung - Problemstellung

Bevor ich mit meine Digitalkamera erwarb, hatte ich oft mit Spiegelreflexkameras gearbeitet und die Vorteile der Wechselobjektive, Konverter und Zwischenringe als positiv empfunden.

Als ich meine Digitalkamera erwarb war diese, obwohl bereits ein Auslaufmodell, nicht ganz billig gewesen. Eine digitale Spiegelreflex und gar mit Wechselobjektiven war preislich einfach nicht drin. Auch heute stellt sich die Situation bei den Digitalkameras noch ähnlich dar. Auch wenn die Preise für einfache Digitalkameras gesunken sind, so sind die Grenzen bei den Brennweiten meist eine Einschränkung.

Auf der Suche nach einer Lösung für den Telebreiche, die Kamera bedient den Bereich von 35 - 105 mm (Kleinbildäquivalent), stieß auf eine kommerzielle Lösung (sorry Seite vergessen), die mich ermutigte mit ein paar vorhandenen Objektiven und Linsen zu experimentieren.

Irgendwann fand ich dann die Seite von Rainer Emling (s. auch Linkseite) und versuchte mich an den dort beschrieben Teleskopadaptern - mit Erfolg. Das wäre sicher kein Grund hier noch einmal diese Inhalte darzustellen, da ich aber mechanisch einen etwas anderen Weg gegangen bin, hat sicher auch diese Abhandlung hier seine Berechtigung. Wem die Informationen auf dieser Seite hier nicht ausreichen, sollte sich auch einmal auf Rainers Seite umschauen.

Kurze Darstellung der Idee

Die Idee ist im Nachhinein eigentlich recht einfach. Wenn ich den Telebereich meiner Kamera ausdehnen möchte muss ich ja "bloß" ein Fernrohr davorbauen. Damit wäre das eigentlich Prinzip schon genannt

Wie immer ist die Wahrheit etwas arbeitsintensiver und problematischer. Einen möglichen Aufbau möchte ich hier nun am Beispiel meiner Kamera darstellen. Wie nicht anders zu erwarten war, weichen die Ergebnisse je nach Kamera und Aufbau oft voneinander ab. So ist immer etwas Probieren und Mitdenken angesagt.

Der hier vorgestellte Aufbau verwendet zwei Objektive für Spiegelreflexkameras - ein 8/500mm Exakta Objektiv (den T2 auf M42-Adapter hatte ich eigentlich schon fast seit dem Kauf fest montiert) und ein 1.8/50mm Pentacon (bei der Praktica dabei oder Wühlkiste). Aus dem Verhältnis der beiden Objektive ergibt sich eine Vergößerung von 500/50 = 10x .

Da ich bei meinen Spiegelreflexzutaten aus "historischen Gründen" immer auf den Anschluss mit M42-Gewinde setze, ist hier alles andere auch soweit es geht mit diesem Gewindeanschluss aufgebaut und alle wertvolleren Teile sind problemlos auch weiter an der Spiegelreflexkamera zu verwenden.


[ü]Aufbau (vom Objekt zum "Film"):
8/500 mm Exakta Teleobjektiv

hier ist auch eine Stativbefestigung, die zwar nicht mehr ganz im Schwerpunkt des Komplettaufbaus ist, aber für ausreichend Halt sorgt. Nur nochmal als Randbemerkung - hier war ein T2-M42-Adapter notwendig, den ich aber für den Einsatz des Teles an der Praktica sowieso zur Verfügung hatte.

Zwischenringe
diese zwei Ringe (zusammen 42mm lang) sind für den groben Abstand der beiden Objektive zuständig. Feinabstimmungen lassen sich noch am 500er durch Verstellen der "Entfernung" durchführen. Die Stößel für die Springblende blieben drin, da sie nicht störten.

Stepring 49/42
nun der erste Übergang, der nicht genormt ist. Vom M42-Grewinde des Zwischenrings auf das Filtergewinde des Objektivs. Da das 1.8/50 einen M49-Fiteranschluss hat also ein Stepring M49/42. Zum Nachbauen gibt es hier eine Bastelanleitung für den Stepring 49/42

1,8/50 mm Normalobjektiv
Dieses war als Defektteil recht billig zu bekommen. Die Blendenlamellen waren verklebt und bleiben offen. Falls man diesen Fall vorfindet, ist es ideal, denn dann bekommt man keine zufälligen Probleme mit der Vignettierung durch die Blende.

Zwischenring M42 / 14mm lang
Dieser Zwischenring hier hat für einige Verblüffung gesorgt und ist auch Grund der Überarbeitung dieser Anleitung. Es erscheint logisch, dass der Abstand von der Kamera zum "Fernrohr", dass wir jetzt abgeschlossen haben, so klein wie möglich sein sollte. Betracht man aber jetzt die Projektion des Gegenstandes durch das Fernrohr wird dieser größer, wenn die Entfernung etwas zunimmt. Ich stieß darauf zufällig, weil sich bei Zusammenbau der ganzen Gerätschaft das 50mm-Obkjektiv auf den Nahbereich eingestellt hatte und ich plötzlich Fotos ohne Vignettierung bekam.

Das ist auf jeden Fall ein Punkt, bei dem es sich lohnt für jede Kamerabefestigung und jede andere Kamera einmal selbst zu testen. Diese Zwischenring ist in den hier gezeigten Bildern noch nicht dabei!

Stepring 49/42
nun der zweite Übergang, der nicht genormt ist. Vom M42-Grewinde des Zwischenrings oder des Objektivs auf den Filteradapter der Digitalkamera. Bastelanleitung für den Stepring 49/42

Filterbefestigung der Kamera
Bei solchen Aufbauten lohnt es sich schon, sich für eine stabilerer Lösung entschieden zu haben, da diesmal die gesamte Kamera am Vorsatzobjektiv halten muss. Filtermount (Eigenbau)

Kamera

Detailansicht des Vorsatzteleaufbaus (ohne den später dazu gekommenen Zwischenring zwischen 50er und Stepring an der Kamera)


Achtung!
Wichtige Hinweise
Bei diesen Versuchen muss auf den Abstand zwischen der eigentlichen Kameraoptik und dem Vorsatz geachtet werden. Dieser sollte möglichst klein sein, aber nie mit dem Vorsatz kollidieren, da sonst der Zoommotor bzw. andere Teile beschädigt werden können.

(m)Ein massiver Filtermount ist hier sinnvoll, da die Hebelkräfte der schweren Objektive durchaus für kleine Plastikteile und damit für die Kamera kritisch werden können. Es ist sicher daher auch logisch, dass das Gesamtsystem immer am Teleobjektiv und nie direkt an der Kamera auf ein Stativ gebaut werden darf.

Betrachtet deshalb bitte die Ausführungen als Denkansatz und nicht als komplette Bauanleitung!


Probleme / zu lösen (?):


  • Vignettierung ist je nach verwendeten Objektiven eventuell noch ein Problem. Allerdings für meine Kamera und meinen Aufbau betrachte ich das Problem als gelöst.
  • Natürlich sind die Bilder, wenn sie am Display betrachtet werden, seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend, aber ich finde, daran gewöhnt man sich leicht.

Rotation der Bilder

Um die Bilder verlustfrei zu drehen, verwende ich unter Linux oder mit Cygwin jpegtran, das es auch für DOS/Windows als einfache Konsolenanwendung gibt. Für Linux / CygWin nutze ich ein kleines Script, das die Arbeit sehr vereinfacht. Dieses Script sucht im aktuellen Ordner nach Dateien mit der Endung JPG und speichert diese unter dem selben Namen mit dem Präfix R (für rotiert).

#!/bin/bash
for i in `ls -1 *.JPG`
do
echo "Rotiere $i"
jpegtran -rotate 180 -copy all -outfile R$i $i
done


Blick zum Magdeburger Dom. Der ungefähre Bereich der vergrößerten Bilder ist jeweils markiert.

Kamera auf Weitwinkel 35mm KB-Äqivalent


Kamera auf Weitwinkel 105mm KB-Äqivalent d.h. maximaler Zoom


Mit Vorsatztele und Zoom auf 3x


Größer, Weiter ... negative Versuchsergebnisse und Hinweise

Die Verwendung von Konvertern um eine stärkerer Vergrößerung zu erreichen, brachte bisher kein zufriedenstellendes Ergebnis.
Der 2x Konverter, der an der Praktica unter gewissen Qualitätsabstrichen ganz leidliche Ergebnisse brachte, führt zu einer extremen Vignettierung bei der Verwendung an der HP618.
Für die Verwendbarkeit eines Vorsatztelekonverters fehlen mir im Moment die Befestigungsmöglichkeiten - aber was nicht ist kann ja noch werden. Ich rechne aber mit deutlich mehr Fehlern durch die chromatische Aberration.

Fazit:

Es macht Sinn in der oben gezeigten Art vorzugehen, denn einige Bilder sind sicher nicht mit eine kompakten Digitalkamera nicht anders zu machen. Die Vignettierungen begrenzen eventuell die verfügbare Bildfläche. Für Aufnahmen für Webseiten reicht es aber oft aus.
Vorteile gegenüber den Aufnahmen mit einer Spiegelreflexkamera sind:


  • die schneller Kontrollierbarkeit und Verfügbarkeit der Ergebnisse und
  • durch den fehlenden Spiegel gibt es beim Auslösen per Fernauslöser auch nichts, was zur Verwacklung führt

Die Spiegelreflexkamera dagegen hat dafür deutlich weniger Probleme mit der Vignettierung und lässt sogar noch Konverter zu.

... es sei noch auf eine ganz andere Anwendung des leicht veränderten Vorbaus hingewiesen - für Macroaufnahmen.


Eine Aufnahme vom Mond mit dem Televorsatz aufgenommen am 08.05.2003.
Wie jedes Bild mit einem Keplerschen Teleskop steht auch dieses auf dem Kopf und ist seitenverkehrt. Das Bild wurde absichtlich auch nicht farblich korrigiert, auf einen Kanal reduziert, oder anderweitig geschönt, damit man einen Eindruck des Bildfehlers erhält. Wendet man diese Bearbeitungen an, kann man noch ein etwas besseres Ergebnis erreichen.




geschrieben / geändert am : 14.10.2004