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Zubehör & Experimente

Makrolinsen


Für Objekte, die fluchtunfähig sind, wie Pflanzen und einige Tiere, eignet sich eine Nahlinse bzw. eine Macrovorsatzlinse.


Ein paar Worte zur Einleitung
Irgendwann begann ich zu versuchen mit der Kamera kleinere Objekte zu fotografieren, die ich möglichst groß darstellen wollte. Die HP 618 setzte mir dabei im Vergleich zu anderen Kameras schon relativ großzügige Grenzen. So ist es möglich ohne irgendwelche Zusatzmaßnahmen trotz maximaler Vergrößerung bis auf 10 cm an ein Objekt heranzukommen und es scharf abzubilden.
Mir sind andere aktueller Kameras bekannt, wo die Kombination auf Naheinstellung und Teleeinstellung nicht funktionieren.

Wenn man die Naheinstellgrenze der Kamera reduzieren möchte kann man Vorsatzlinsen verwenden. Ich so auch eine Nahlinse von +4 Dioptrien im Einsatz, die mir besonders im Umschaltbereich zwischen Makromodus und Normalmodus hilft, indem das Problem (die Umschaltgrenze) verlagert wird.

Möchte man aber auch eine vernünftiger Vergrößerung erreichen kommt man um die Verwendung von Makrolinsen (so um die +10 Dioptrien) nicht mehr herum. Diese wirken für die Kamera analog einer Lupe. Eine Lupe allerdings ist nicht besonders geeignet, bei den preiswerteren Exemplaren tritt der Effekt (achromatische Aberration) auf, dass heißt, das dabei die einzelnen Farben unterschiedlich gebrochen werden und so Farbsäume entstehen. Die teueren heißen dann wohl auch Vorsatz-Achromaten, was bedeuten soll, dass dieser Effekt durch die Kombination mehrerer Linsen vermieden wird.

Somit war das Ziel klar:
Da Wechselobjektive bei der Kompaktkamera ausscheiden stand die Aufgabe ein Linsensystem mit hoher Brechkraft zu finden, das kaum negative Farbeffekte produziert. Angedacht waren so +10 Dioptrien.

Etwas "Theorie":
Die Brechkraft ist der reziproke Wert der Brennweite, d.h. es gilt die Formel:


Also kommt man bei dem Wunsch nach 10 Dioptrien auf eine Brennweite von 100 mm und bei 20 Dioptrien auf 50 mm.

Ich denke jedem, der mal mit Kameras fotografiert hatte, die Wechselobjektive besaß, weiß noch dass das sogenannte Normalobjektiv (in der Regel) eine Brennweite von 50 mm hat. Das wäre doch eine tolle Makrolinse, denn jedes halbwegs vernünftige Objektiv sollte kaum achromatische Aberration aufweisen.

Einfache Tests
Hält man ein Objektiv einer Spiegelreflexkamera sehr nah vor die Optik der Digitalkamera, so stellt man zunächst sicher erst einmal fest, dass am einen hellen Fleck und recht große Vignetterungen sieht. Verschwindet diese Vignetterung beim Zoomen in den Telebereich komplett, so besteht schon eine gewisse Grundeignung des Objektivs - sprich unserer "Makrolinse"

Ein konstruktives Problem:
Die Vorsatzlinse - bzw. das Objektiv der SLR muss nun recht kurz vor das eigentliche Linsensystem der Kamera. Einmal wegen der Brennweite, die bei der Digitalkamera recht kurz ist und aber auch wegen der Vignetterung. Das Objektiv von der Exa, das ich verwende, hat einen baulichen Vorteil, so dass ich nicht zu viel basteln musste. Bei anderen Objektiven müsste man eventuell ein paar Teile des Objektivgehäuses entfernen. Damit wird es eventuell schwieriger die "Makrolinse" zu zentrieren. Das ist notwendig, denn sie sollte ja mit auf der optischen Achse sitzen, da sonst Verzeichnungen und eventuell stärkere und ungleichmäßige Vignetterungen (Abschattungen) auftreten. (Es geht sozusagen fast jedes Obejktiv, aber manche sind zu sperrig und von Zoomobjektiven - ich habe es mit einem Canon 35-80 mm Zoom probiert - würde ich abraten)

Zur Zeit benutze ich zwei Varianten mit verschiedenen Brennweiten:

Die ersten Variante:
ein altes Projektorobjektiv (80mm) in Kombination mit der Nahlinse (+4 Dioptrien), die zusammen +16,5 Dioptrien haben. Damit wird ein Objekt von 21x16 mm vollflächig abgebildet. Schön ist es nicht - es fehl noch eine Außenverkleidung - deshalb wird es hier auch nicht abgebildet

Die zweite Variante:
Inzwischen nutze ich nun vermehrt ein Objektiv (50mm / f 2,8) einer EXA IIb, die mir zugelaufen ist und als Organspender herhalten muss. Zur Verbindung zwischen dem Filtermount der Kamera und Objektiv dient ein alter Filterring (kaputter Skylight oder so), wo es (nach etwas Schleifarbeit am Innengewinde des Rings) problemlos hineinpasst und befestigt werden kann. Die 50 mm Brennweite ergeben 20 Dioptrien, so dass schon bei einer Größe des Original von ca. 17x11 mm eine vollflächige Abbildung erfolgt. Die Blenden- und Schärfenregulierung der "Makrolinse" kann man beruhig stilllegen, falls man dieses Objektiv dem ursprünglichen Verwendungszweck nicht mehr zuführen will. Das schützt vor unabsichtlichen Verstellungen, die zu einen ungewollten Vignetterung führen können.


Ich habe allerdings das Objektiv nur eingepresst, so dass es sich durchaus bei Bedarf wieder entfernen lässt. Die Bestandteile der originalen Objektivbefestigung (Bajonett) wurden zunächst ebenfalls im Originalzustand erhalten, behindern aber weitere Filter oder Linsen zwischen Vorsatzlinse und Kamera.

Nochmals der Hinweis:
Vorsicht die Objektive sind sperriger, als irgendwelche Filter und sollten nie dem Zoomobjektiv der Kamera in den Weg gelangen!


Beispielaufnahme eines Käfers mit +20 Dioptrien (EXA-Objektiv).
Die lange Seite des Bildes misst in der Natur ca. 17 mm.




geschrieben / geändert am : 14.10.2004